Prev Next
Bergsteigen als Althlet Drucken E-Mail
Freitag, den 03. September 2010 um 00:00 Uhr
Vielen herzlichen Dank für Eure grosse Anteilnahme am Unfall meiner Frau Nicole. Auch in ihrem Namen möchte ich mich für die vielen Mails und Glückwünsche herzlich bedanken.
Nicole geht es soweit gut. Die Heilung verläuft gut und sie hat den Sturz emotional gut verarbeiten können. Wir sind sehr zufrieden und Nicole ist sehr positiv was den weiteren Verlauf betrifft.

Seit Jahren bin ich konsequent am trainieren. Selbst sehe ich mich mehr als Sportler und nicht als Abenteurer. Meine persönlichen Herausforderungen suche ich am Berg. Abenteurerreisen sind nicht das, was ich suche. Mit den heutigen Medien, ist es einfacher geworden, dem breiten Publikum den Zugang zu diesen Abenteuern zu ermöglichen. Per Blog ist es möglich, täglich seine Erlebnisse weiterzugeben. Doch wenn es möglich ist, jeden Abend das Satellitentelefon einzuschalten, um sich die Zeit zu nehmen, um zu schreiben, so bin ich überzeugt, dass das mit Leistungsgrenze nichts mehr zu tun hat. Wenn ich joggen gehe im lockeren Bereich, kann ich dabei eine Unterhaltung führen. Sobald ich aber auf einem Niveau trainiere, das mich an meine Grenzen bringt, so ist Schluss mit Reden. Nach einem schnellen Training bin ich zufriedener. Dabei gehe ich ganz in dieser Handlung auf. Ich vergesse jegliche Alltagssorgen, ich bin nur am joggen. Das ist das Einzigartige beim Sport und auch während den Expeditionen. Es sind genau diese Momente, nach denen ich suche und die für mich erstrebenswert sind. Beim Klettern in den Zinnen in den Dolomiten bin ich ganz im Moment versunken. Der Tag nahm seinen Lauf und das Resultat auf sportlicher Ebene liess sich sehen. Drei Routen in einem Tag, wovon die grosse Zinne in gut einer Stunde. Ich bin total glücklich über diese Begehung. Ein weiterer Punkt auf meinem Weg.

Dieses Jahr fokussiere ich meine Vorbereitungen ganz auf meine Projekte im 2011. Ich will wieder in den Himalaja fahren und dabei meine Grenzen wieder ein bisschen weiter verschieben. Dafür trainiere ich hart. Dieser Fortschrittt macht das Ganze interessant und ich fühle wie ich weiterkomme. Das Training ist genau ausgedacht, zusammen mit Simon Trachsel. Ein 8000er zu besteigen ist eigentlich gar nicht so tragisch, wenn wir uns überlegen, dass die Basislager meistens irgendwo zwischen 4500 und 6000 Meter über Meer liegen. Machen wir einen Schnitt, so befinden wir uns noch 3200 Meter davon entfernt, um auf den Gipfel zu kommen. Das ist nicht eine Wahnsinnsdistanz. Also: Warum braucht man dafür mehrere Tage? Das ist doch gar nicht nötig. Deshalb arbeite ich im Moment stark an meiner Grundlagenausdauer. Das heisst, dass ich meinen Körper so weit gebracht habe, dass ich drei Mal am Tag den Niesen laufen kann. Das ergibt am Ende eines Trainings genau 5000 Höhenmeter bei einer Distanz von 27 km. Als Pause nehme ich die Bahn, um wieder ins Tal zu gelangen. Ich versuche natürlich, dies noch auszubauen. Im Moment bin ich bei zwei Mal die Woche den Niesen zu rennen. Dazwischen stehen selbstverständlich noch Klettertrainings an. Ich bin sicher, dass es auch drei Mal gehen wird. Versuchen tue ich es auf jeden Fall. Nur so bin ich in der Lage herauszufinden, was mein Körper leisten kann. Dabei wird er sich so gut es geht anpassen.
Vor kurzem habe ich beschlossen, den Jungfrau Marathon zu laufen. Das wollte ich schon immer einmal machen. Ich finde es sensationell, wie sich die Leute für einen solchen Anlass motivieren können. Vor ein paar Jahren habe ich am Engadin Skimarathon mitgemacht. Davor stand ich ca. 10 Mal auf den Langlaufskis. Die Technik ist noch zu verbessern, das Erlebnis aber war einzigartig. Es ist schön, all diese sportbegeisterten Menschen um sich zu haben. Für jeden Einzelnen bedeutet dies seine ganz eingene Herausforderung. Es ist dabei auch völlig egal, auf welchem Niveau man läuft. Wichtig ist, dass man es macht. Man bekommt so viel zurück. Durchs Ziel zu laufen, anzukommen: Was gibt es besseres? In dem Moment sind die schweren Beine, der Schweiss, die Anstrengung vergessen. Es zählt nur der Moment.
Trotzdem: jeder Moment geht einmal vorüber. Danach muss man sich wieder aufraffen, immer und immer wieder und den Mut haben, solche Momente erneut zu erleben. So beginnt alles wieder von vorne.
Mein Ziel ist es, den Marathon zu laufen und durch Ziel zu gehen. Ich werde mich hinten anstellen müssen, denn ich werde nicht vorne mitlaufen können. Ich bin Bergsteiger und nicht Marathonläufer. Dennoch: das mindert meine Faszination nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Ich will selber erfahren, was es heisst, diese Strecke zu rennen.
Ich freue mich auf den 11. September!

 

Der schnellste Mann am Berg

Die DVD ist jetz bei SF erhältlich.
Zur Bestellseite

Newsletter

Neuer Vortrag 'Speed'

News image

Zum Vortrag

CHF22.45