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Expedition 2012 Drucken E-Mail
Donnerstag, den 22. März 2012 um 08:42 Uhr

Khumbu Express II




Wenn ich auf jeden Berg einfach hinauf kommen würde, hätte ich schon lange aufgehört mit dem Bergsteigen. Es wäre nicht mehr interessant.


Meine erste Solobesteigung einer Wand im Himalaya war die Cholatse Nordwand mit 6440 Meter über Meer. Damals war ich kompromisslos. Gerade einmal Mitte 20 und wie das so ist, hielt ich mich für unsterblich und Bergsteigen bedeutete mir alles im Leben. Ein Seil, ein paar Haken und zwei Eisschrauben waren alles an Material was ich dabei hatte. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete. Das Einzige was ich wusste war, dass es 1400 Meter bis zum Gipfel waren. Es war eines meiner verrücktesten Solos. Nach einem kalten Biwak bin ich am zweiten Tag auf dem Gipfel ausgestiegen und danach nach Süden wieder ins Tal abgestiegen. Es war die einzige Möglichkeit abzusteigen: Ich hatte ein One Way Ticket gelöst, denn ich hatte zuwenig Material dabei, um die Wand abzusteigen. Der einzige Weg führte über den Gipfel.

2005 wollte ich die direkte Linie zum Gipfel erstbegehen, doch ein kleines Missgeschick hinderte mich daran. In der Wand hatte sich die Schraube meines Eispickels gelöst. Die Haue war lose. Es wäre kein Problem gewesen, diese mit dem Schraubenschlüssel wieder anzuziehen. Doch der Schraubenschlüssel glitt aus meinen klammen Fingern in die Tiefe. So musste ich mit einer losen Haue klettern und ich war froh, so schnell wie möglich wieder in einem einfacheren Gelände bis hinauf zum Grat klettern zu können.

Die Idee


2011 war ich wieder am Cholatse. Diesmal zusammen mit dem US-Amerikaner Freddie Wilkinson. Das Wetter wurde stürmisch und wir entschieden uns für einen schnellen Ausstieg auf der rechten Seite hinauf zum Gipfel. Die Linie steht noch immer. Eine neue Route ist noch immer möglich auf der Cholatse Nordwand. Im nasskalten Biwak kam Freddie und mir die Idee des Khumbu Express II. Keine wilden Solos mehr dafür technisch anspruchsvolle Mixed-Kletterei.

Cholatse Nordwand, Tawoche Nordwand und Ama Dablam Nordwand. Drei Wände alle zwischen 1400 Meter und 1800 Meter hoch. Alle drei Berge sind - logistisch gesehen - gut miteinander zu verbinden. Eine perfekte Herausforderung für das moderne Mixed-Klettern. Was will man mehr. Versuchen wir es!


Hast du einen Traum, sei vorsichtig. Es könnte eine Vision sein!


3 neue Routen auf drei Sechstausender, Speed in Perfektion.

All die Rekorde, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, sind relativ. Bergsteigen kann man nicht vergleichen. Bei einem 100 Meter Lauf gilt ein Weltrekord nicht, wenn es zuviel Rückenwind hat. Die Begebenheiten an einem Berg sind jedesmal anders. Ob ich für eine Begehung 2 Std. und 47 Min. benötige und beim nächsten Mal 3 Std. ist nicht wichtig. Aber zu wissen und die Fähigkeit zu haben, die Eigernordwand in 3 bis 4 Stunden klettern zu können, öffnet eine ganz neue Dimension. Ohne dieses Wissen hätte ich 2011 die Shisha Pangma Südwand nie bestiegen. Ich hatte genau etwas mehr als einen Tag schönes Wetter in Aussicht gestellt bekommen. In dieser kurzen Zeit eine 2000 Meter hohe Wand an einem 8000er zu besteigen mag schon eine etwas verrückte Idee sein. Aber ich wusste, dass es theoretisch möglich ist. Ich konnte dieses eine Wetterfenster von etwas mehr als 24 Stunden ausnutzen. Diese Möglichkeit gibt dir viel mehr Chancen, um Berge zu besteigen und schwierige Wände zu klettern. Genau das steckt hinter der Idee des Khumbu Express II. Bist du schnell, kannst du mehr klettern und bist schneller wieder an einem gemütlich Ort am warmen Ofen und Du kannst einen feinen duftenden Kaffee geniessen!


Freddie Wilkinson ist ein idealer Partner. Er ist immer gut gelaunt und hat die nötige Gelassenheit. Ich freue mich auf das Bergsteigen im Khumbu Valley mit ihm. Wir werden nicht Wochenlang in einem Basislager sitzen und warten. Wenn das Wetter mitspielt, werden wir unsere drei Wände besteigen. Wenn nicht, gibt es viele andere Berge zu besteigen im Khumbu Gebiet. Für mich ist wichtig, die zwei Monate in Nepal zum Bergsteigen zu nutzen und nicht einfach herumsitzen. Freddie Wilkinson wird am 15. Mai 2012 weiter reisen nach Alaska. Ich werde den Monat noch im Khumbu Valley verbringen. Bis dann habe ich mich hoffentlich perfekt akklimatisiert an den 6000 er Bergen. Ich will noch einmal zurückgehen an den Everest und ich hoffe, dass mich diesmal die Kälte nicht aufhält.


Die Reise beginnt am 5. April 2012 direkt nach meinem letzten Vortrag der “Speed” Nachtournee.

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Der schnellste Mann am Berg

Die DVD ist jetz bei SF erhältlich.
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