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Everest - Abschlussbericht Drucken E-Mail
Dienstag, den 29. Mai 2012 um 17:05 Uhr

Es gibt ein paar Dinge im Leben eines Bergsteiger, die man einfach gemacht haben muss. Für mich war das die Besteigung des Mount Everest. Das war eines meiner Ziele, die ich als Kletterer und Bergsteiger erreichen wollte.

Der Everest ist der höchste Punkt auf dieser Erde. Dort oben ist die Luft am dünnsten. Es ist der dritte Pol. Einmal den höchsten Berg unserer Erde zu besteigen, war schon immer eine Idee in meinem Kopf.

Trotzdem war ich abgeschreckt. Der Berg wird kommerziell regelrecht ausgeschlachtet. Am Everest herrscht ein reges Business. Dieses Geschäft wird hauptsächlich mit potenziellen Kunden gemacht, die mit Flaschensauerstoff auf einer präparierten Fixseilstrecke auf den Gipfel steigen. Ohne Flaschensauerstoff sind bis heute offiziell insgesamt 142 Begehungen registriert.  Auf fast 6000 Begehungen ist das doch ein kleiner Prozentsatz.

Seit Loretan und Troillet hat es auch kein Schweizer mehr geschafft, auf den Everest zu steigen ohne Sauerstofflasche und wieder zurück ins Basislager zu kommen. Das hat mich fasziniert. Viele sehr starke Bergsteiger brauchten mehrere Versuche, um den Gipfel zu erreichen, ohne auf das zauberhafte Doping aus der Flasche zurückgreifen zu müssen.

Aus Amerika habe ich eine interessante Statistik bekommen, die untersuchte was der Sauerstoff aus der Maske für einen Einfluss hat bei solchen Begehungen. Das Resultat ist beeindruckend: Nimmt man auf dem Gipfel 2 Liter pro Minute Sauerstoff aus der Flasche um auszuruhen, ist das wie, wenn man sich im Basislager aufhält. Das heisst: Es ist, als ob man sich auf einer Höhe von 5300 Meter befindet. Unter Belastung ist es etwas weniger krass. Aber wenn man beobachtet, dass die meisten am Gipfeltag 4 Liter pro Minute Englische Luft  - wie die Sherpas früher den Flaschensauerstoff nannten - aus der Flasche atmen, so belegt es ziemlich genau Reinhold Messners Behauptung: Man steigt eigentlich auf einen 6000er. Ziemlich genau 6500 Meter.

Das hat bei weitem nichts mit dem Everest zu tun, der doch immerhin 8848 Meter hoch ist. Da fehlen dann noch 2348 Meter. Das wurde mir dann auch eindrücklich bewusst, als ich mich am Berg akklimatisierte. Gerlinde Kaltenbrunner aus Österreich, die mit dem Erreichen des Gipfels des K2 im vergangenen August 2011 als dritte Frau alle 14 Achttausender bestiegen hat und die erste war, welcher dies ohne zusätzlich mitgeführten Sauerstoff gelang, hat mir wärmstens empfohlen, mindestens eine Nacht auf dem Süd Col zu übernachten. „Sonst exponierst du dich zu sehr und es ist zu gefährlich, den Gipfel zu versuchen“, hat sie mir gesagt. Ich habe mich daran gehalten. Ich hatte sowieso die Absicht, im Vorfeld da oben zu schlafen. Andererseits weiss man auch, wie unangenehm das ist, auf knapp 8000 Meter zu campieren. Da herrscht keine Lagerfeuerromantik.

In der ersten Nacht kann man eigentlich keine Minute schlafen. Es ist mehr ein Warten bis es endlich Morgen ist  und man wieder absteigen darf. Aber da muss man halt durch und das braucht etwas Wille. Im Gegensatz zum Klettern mit der Zufuhr von Sauerstoff muss man sich das nicht antun. Viele BergsteigerInnen haben vor dem Gipfelversuch lediglich mal auf 6400 Meter übernachtet. Danach war für sie die Akklimatisation beendet.

Ich habe mir gelegentlich überlegt was passieren würde, wenn bei einem Gipfelversuch der Sauerstoff ausgeht. Man ist schlicht nicht akklimatisiert und die Realität holt dich sehr schnell ein. Die Luft ist dünn und es kommt zu einer Katastrophe, die meistens mit dem Tod endet!

Das müsste mich ja nicht allzu sehr kümmern, denn es ist jedermanns eigene und persönliche Entscheidung, wie er den Everest besteigen will. Für mich kam aber eine Begehung mit der Benutzung von Flaschensauerstoff nie in Frage. Von Anfang an war klar, dass ich real auf dem Gipfel stehen will, ohne falsche Luft.

2011 hatte es nicht ganz geklappt mit der Begehung des Mount Everest. Ich war auf 8700 Meter auf der Tibetischen Seite des Berges unterwegs und musste meinen Gipfelaufstieg abbrechen. Ich hatte einfach zu kalt. Die Gefahr, dass meine Zehen erfrieren würden, war zu akut. Ein weiteres Merkmal in grossen Höhen ist, dass das Blut dick wird und die Extremitäten dadurch sehr schlecht durchblutete werden. Dem kann man etwas entgegenwirken, indem man versucht, viel zu trinken und sich im Vorfeld gut akklimatisiert, so dass sich der Körper ein wenig daran gewöhnt. Meine Erfahrung hat mir aber auch gezeigt, dass ich letztes Jahr nicht einen idealen Gipfeltag gewählt habe. Die 25/25 Regel hat sich wirklich bestätigt. Es darf maximal 25 km/h Wind haben auf Gipfelhöhe und die Temperatur darf maximal  minus 25 Grad betragen.

Aber was wäre Bergsteigen wenn man einfach so auf jeden Berg hoch käme? Es wäre gar nicht mehr interessant. Deshalb war ich dieses Jahr doppelt motiviert und hatte ein paar Erfahrungen mehr im Gepäck! Wir, das heisst Tenji und ich hatten drei Rotationen hinter uns am Berg, bevor wir einen Gipfelversuch starteten.

Tenji ist ein 21 Jahre junger Nepalese, den ich seit Jahren kenne und der auch immer wieder für mich gearbeitet hat. Jetzt wollte er auch den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff probieren. Ich habe ihm angeboten, dass wir zusammen klettern könnten. Nicht als mein Sherpa, bei dem er mir das Material schleppen muss. Nein.  Ich wollte, dass wir als Partner am Berg zusammen gehen.

Für ihn war es am Anfang schwer, dies zu akzeptieren. Dass ich ihm auch Tee koche, war für ihn eine ungewohnte Situation. Aber irgendwann hat er die Situation annehmen können und wir hatten eine super Zeit am Berg zusammen!  Ich war vom Sir zum Dai mutiert. Vom Herr zum Bruder.

Eingehend hatte ich den Wetterbericht studiert. Ich wusste, das ist der wichtigste Punkt. Akklimatisiert waren Tenji und ich bestens. Wir hatten bereits schon eine Nacht auf dem Süd Col auf knapp 8000 Meter übernachtet. Meteotest hat mir gute Aussichten geschickt für den 17. und 18. Mai. Für den 19. Mai prognostizierten sie, dass der Wind schon wieder stärker und am 20. Mai  bereits wieder kritisch würde. Dann war da aber noch das andere, grosse Problem.

Die vielen Leute. Für uns stellten die Anzahl BergsteigerInnen, die ebenfalls zur gleichen Zeit unterwegs sein würden, ein grosses Gefahrenpotenzial dar. Wir können da oben nicht warten, denn wir würden sehr schnell Erfrierungen erleiden. Aber wir kommen auch nicht drum herum, nicht mit den ganzen Massen von Bergsteigern unterwegs zu sein. Die Lösung war ganz einfach! Bis jetzt waren die Fixseile noch nicht angebracht. Das heisst, dass für die ganzen kommerziellen Expeditionen ein Gipfelgang noch nicht möglich war. Das sogenannte Fixing Team mit 10 Sherpas, plante am 18. Mai die Fixseile zum Gipfel zu verlegen. Eine glückliche Situation für uns und es war der beste und wärmste Tag von diesem Gipfelwetterfenster. Wir beschlossen, mit ihnen aufzusteigen.

Am 16. Mai stiegen wir gemütlich in 3.5 Stunden ins Lager 2. Es folgte ein entspannter Nachmittag und eine lange Nacht, die wir in Lager 2 auf 6400 Meter über Meer verbrachten. Der Morgen liessen wir gemächlich angehen. Tenji und ich warteten auf die Sonne und dann verköstigten wir uns mit Toast, Kaffee, Cornflakes. Dabei konnte Tenji das Zampa nicht bleiben lassen. Das ist ein Mehlteig, der zu einem Brei geknetet wird und der zwar sehr nahrhaft aber nicht auf meinem Speiseplan vorkommt.

So gegen 8.30 Uhr waren wir dann Startbereit.  In 2.5 Stunden erreichten wir in das Lager 3. Hier, wo wir vor einer Woche übernachtet haben, herrschte ein Chaos. Am frühen Morgen hat sich eine Eislawine gelöst. Viele Zelte waren verschüttet. Auch unser Zelt. Es war unter Schnee und Eis begraben. Zum guten Glück haben wir nicht geplant, im Lager 3 zu übernachten! Wir wären nicht mehr hier, sondern unter einer Schnee- und Eisdecke begraben worden.

Wie durch ein Wunder wurde nur ein Sherpa verletzt. Sonst war glücklicherweise niemand betroffen. Die meisten Zelte waren hin und nicht mehr zu gebrauchen! Tenji und Dendi, der ebenfalls mit uns unterwegs, war machten Halt. Dendi musste aus dem Zelt die Sauerstoffflaschen mitnehmen. Tenji wollte ihm dabei helfen. Sie mussten die Flaschen zuerst finden unter dem vielen Eis. Ich beschloss, weiter zu gehen und verabschiedete mich. So konnte ich unser Zelt in Lager 4 aufbauen, bevor es am Nachmittag wieder anfing zu schneien.

Es war heiss auf der Lhotse Flanke. Ich war froh, hatte ich mich entschieden, meinen Daunenanzug im Rucksack mitzutragen. Die meisten BergsteigerInnen steigen von Lager 2 in ihren Daunenanzügen weiter hinauf. Ich weiss auch nicht ganz genau, warum man in dieser Hitze im Daunenanzug klettert.

So erreichte ich gemütlich und nicht allzu sehr überhitzt den Süd Col. Ich baute unser Zelt auf, richtete das Lager ein und begann sofort Eis zu schmelzen, damit wenn Tenji nachkommt, wir viel trinken konnten. Tenji kam erst sehr spät, so gegen 17.00 Uhr. Das Wetter war perfekt windstill und wir hatten das Gefühl, es sei sehr warm. Es war auf jeden Fall viel wärmer, als wir das letzte Mal hier waren.

Wir stellten unseren Wecker auf 23.00 Uhr. Doch der Piepston war nicht nötig, um uns aus dem Schlaf zu reissen. Das Fixing Team war bereits gestartet sowie ein paar Chilenische Bergsteiger. Das Geklimper und Geschwätz hat uns aus dem Schlaf gerissen. Ich begann wieder mit dem Eis schmelzen. Es war 23.00 Uhr. Wir hielten uns daran, viel zu trinken. Tee und Kaffee dazu Brot und Honig. Es war bereits halb eins als wir startklar waren. Wir sahen die Lichter vor uns, die im Aufstieg waren: Die Chilenen und die Sherpas. Sie waren anderthalb Stunden vorher gestartet und wir haben sie in einer  Viertelstunde eingeholt.

Sofort ging mir durch den Kopf, dass wir so lange unterwegs sein werden. Was, wenn ab dem Balcony auch noch die Fixseile angebracht werden müssen? Ich beruhigte mich und dachte mir, dass es sicher gut ist, jetzt nicht zu schnell zu gehen, damit ich weiter oben noch genügend Reserven habe. Ich genoss es. Wir erreichten den Balcony, als gerade der neue Tag anbrach.

Die ganze Gruppe machte Halt um etwas zu essen und zu trinken. Ich wechselte die Batterien von meiner Schuhheizung. Das System ist einfach genial: Ich hatte immer schön warme Füsse und auch warme Hände. Ist ja gar nicht so schlimm das Höhenbergsteigen....

Nach dieser kurzen Rast ging es weiter. Ab jetzt mussten die Fixseile montiert werden. Das Gelände ist nicht steil. Eigentlich könnte man das problemlos ohne Seile klettern. Mein Spezialstock von Leki, der mit einer Art Pickelhaue am Griff ausgestattet ist, entpuppte sich als das ideale Werkzeug in diesem Gelände. Trotzdem war ich etwas nervös wegen der Langsamkeit, aber ich überholte nicht. Es wäre für mich zu respektlos gewesen, einfach die Sherpas zu überholen, die ihre Arbeit machten. Und die machen ihre Arbeit wirklich gut. Ich habe noch nie ein Sherpa Team so effizient und so organisiert zusammenarbeiten sehen.

Ich stellte mich hinten an wie es sich gehört! Und es war ganz lustig. Wir mussten immer wieder warten und hatten dabei auch Zeit, miteinander zu reden. Tenji war mittlerweile etwas zurück gefallen, aber er kam stetig nach. Wir waren die Einzigen, die sich nicht hinter einer Sauerstoffmaske versteckten. Von den Sherpas bekamen wir auch grossen Respekt dafür. Aber genau soviel Respekt habe ich vor ihnen und ihrem Tun!

Der Weg zum Südgipfel war lang und er wollte nicht enden. Auf einmal kam mir das Tempo gar nicht mehr so langsam vor!  Ich schaute immer wieder nach oben, aber der Südgipfel kam einfach nicht näher. Endlich verschwand der Leader nach hinten. Das bedeutete, er war auf dem Südgipfel angekommen und für uns waren es noch 100 Meter.  Vom Südgipfel steigt man 20 Meter ab und dann zieht sich der Grat zum Hauptgipfel. Ich schaute auf die Uhr, um zu sehen, wie spät es ist. Es war schon spät.  Ich überlegte mir kurz, umzudrehen. „Das wird Nachmittag bis wir oben sind“, dachte ich und absteigen müssen wir auch noch. Das Wetter war zwar noch perfekt, aber was ist, wenn es umschlägt?  Für den 19. Mai sah es ja immer noch gut aus, nur mit etwas mehr Wind, aber immerhin sollte es noch schön bleiben. Ein Sturm war eher unwahrscheinlich. Zusätzlich vertraute ich auch auf die Sherpas. Sie waren schon so oft da oben. Sie wissen ja auch was sie tun.

Aus meiner Erfahrung wusste ich, dass ich beim Abstieg schnell sein kann.  Nach meiner Einschätzung sollte ich in maximal anderthalb Stunden wieder im Süd Col sein, wenn ich jetzt absteigen würde vom Südgipfel. Ich beschloss, dass ich das riskieren kann und ich folgte weiter. Ein paar Wolken waren jetzt trotzdem im Anmarsch. Das ist aber normal. Das ist die Konvektion, die sich jeden Tag bildet. Majestätisch zieht der Grat hoch. Es schien, als seien es nicht mehr viele Höhenmeter bis zum Gipfel. Es schien mehr horizontale Distanz zu sein.

Am Hillary Step wartete ich länger. Es waren sicher 40 Minuten. Ich begann zu schlottern. Die absolute Temperatur war bestimmt nicht tief. Sie betrug vielleicht minus 20 Grad. Trotzdem schlotterte ich. Ich war froh, als es endlich weiter ging. Ich war fast ein bisschen enttäuscht von diesem berühmten Hillary Step. Ich hatte ihn mir viel eindrücklicher vorgestellt. Steil ist er auch nicht wirklich.

Plötzlich hatte ich auf einmal das Gefühl, dass alle andern sehr schnell waren. Ich konnte ihnen kaum mehr folgen. „Das gibts doch nicht“, dachte ich. Es kann doch nicht sein, dass ich müder bin als die andern.  Ab jetzt musste ich etwas kämpfen. Ich redete mir ein, dass es nur noch eine Willensfrage ist bis zum Gipfel. Und ich hatte beschlossen, dass ich den Gipfel erreichen werde.

Tenji befand sich hinter uns und war noch nicht zu sehen. Er würde schon kommen. Ich konzentrierte mich auf jeden Schritt. Manchmal musste ich nach vier Schritten anhalten. Jeder Schritt war ein Schritt näher zum Gipfel. Aber wo war er, der Gipfel? Ich konnte wirklich nichts ausmachen. Ich war völlig auf mich konzentriert und ich hatte endlich akzeptiert, dass die andern ein schnelles Tempo vorgaben. Solange ich mit den Sauerstoffalpinisten mithalten konnte, lag alles im grünen Bereich. Ich konnte mich auch gut konzentrieren und nahm meine Umgebung war. Ich konnte klar denken und Entscheidungen fällen. Ich überprüfte mein Gang und mein Klettern: Es war kontrolliert. Es musste einfach die Höhe sein, dass da nicht mehr Kraft kam. Ich fühlte mich auch nicht erschöpft. Nur einfach langsam, extrem langsam.

Es ging ein letztes Stück hoch zur Gratkante. Endlich, links und auf fast auf der selber Höhe konnte ich den Gipfel erkennen. Ein Knäuel Gebetsfahnen wehte im Wind. Ein paar Sherpas waren schon drüben. Es gab kein Fixseil mehr. Man musste nur noch queren. Einer der Chilenen, der hinter mir ging, löste meinen Skistock vom Rucksack, den ich vor dem Hillary Step aufgebunden hatte. Er reichte ihn mir und ich ging mit meinem Skistock und ich hatte wieder ein Werkzeug in der Hand. Es war bereits Nachmittag.

Es war 13.15 Uhr als wir auf dem höchsten Punkt der Erde standen. Wolken waren aufgezogen, die Aussicht war beschränkt. Ich konnte Tibet auf der Nordseite erkennen, diese trockene Hochebene. Und auch den Makalu, der aus den Wolken ragte. Meine Gedanken schweiften kurz ab. Wie fertig ich damals war. Mutterseelenallein auf dem Gipfel. Es war für mich absolut kein Problem, dass wir nur eine beschränkte Aussicht hatten. Ich kannte ja eigentlich das ganze Panorama. Es kam mir alles sehr vertraut vor. Ich hatte das Gefühl, ganz genau zu wissen, wo ich stand. Ich konnte mich orientieren, es schien nicht fremd oder neu!

Ich machte ein paar Bilder und Gipfelfotos mit den Sherpas. Tenji war noch nicht zu erkennen, trotzdem beschloss ich, abzusteigen. Die Ersten waren bereit unterwegs.

Wie leicht das Absteigen ging. Ein neues Gefühl! Ich war zwar müde aber jetzt da es abwärts ging, ging es wieder vorwärts! Tenji kam mir knapp nach dem Hillary Step entgegen. Ich fragte ihn ob alles Ok ist. Er machte mir einen guten Eindruck. Er meinte nur „Yes but very slow!“ Ich munterte ihn auf, es sei nicht mehr weit und das sei normal ohne Maske! Ich sah sein lächeln in seinem Gesicht. Ich sah seinen Willen und ich erkannte, dass er den Gipfel erreichen wird!

Ich stieg weiter ab und um 16.15 Uhr war ich wieder im Südsattel. Ich erkannte das Lager 4 fast kaum mehr. In dieser kurezn Zeit war ein kleines Dorf entstanden. Dendi und seine Tochter sowie das ganze Team, mit dem wir das Basislager teilten, sind im Südsattel eingetroffen. Morgen würde für sie der Gipfeltag sein! Ich war froh, dass ich es geschafft hatte.

Aber der Berg ist erst geschafft wenn man zurück im Basislager ist. Ich wartete im Südsattel auf Tenji. Er kam erst drei Stunden später. Eigentlich wollten wir noch bis ins Lager 2 absteigen, aber dafür war es jetzt zu spät. Wir blieben im Lager 4. In der Nacht starteten ungefähr 150 Bergsteiger Richtung Gipfel. Ein Spektakel. Tenji und ich schliefen eine weitere Nacht auf knapp 8000 Meter. Beide haben wir geschlafen wie die Bären im Winterschlaf.

Am Morgen um 5.30 Uhr weckte mich die Sonne. Ich habe gefrühstückt und das Material zusammen gepackt. Dann bin ich weiter abgestiegen.

Ich sehnte mich nach dem Basislager. Tenji hat noch etwas länger geschlafen. Pünktlich zum Mittagessen war ich im Basislager. Jetzt ist der Mount Everest bestiegen.

An dieser Stelle möchte ich Euch allen ganz herzlich danken fürs Dabeisein, fürs Mitfiebern und Mutmachen während dieser Expedition. Herzlichen Dank auch für die vielen vielen schönen Glückwünsche nach diesem schönen Erfolg.

Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Sommer!


 

Der schnellste Mann am Berg

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