Unterwegs auf dünnem Eis Drucken E-Mail

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2001

Im März landeten der Schweizer Ueli Steck und Sean Easten aus Kanada in der Ruth Gorge. Ihr Flieger setzte sie auf dem Gletscher, direkt am Fuss der Ostwand des Mount Dickey, ab. An der über 1500 Meter hohen Ostwand hatte bereits 1988 der Österlicher Andi Orgler seine Spuren hinterlassen, nun ist sie das Ziel der Zwei-Mann-Expedition. Allerdings sieht Ihre projektierte Linie in diesem Jahr sehr trocken aus. Mit wenig Eis und Schnee in den Wänden zeigen sich auch die klassischen Eislinien in der Umgebung nicht in bester Verfassung. So starten Steck und Easton am nächsten Morgen skeptisch ihre erste Erkundungstour und fixieren die ersten Längen nach dem grossen Einstiegsschneefeld. Die Bedingungen scheinen doch besser als erwartet zu sein, und auch ein Sturz in einem kleinen Dach kann den aufkommenden Optimismus nicht bremsen. Zurück im Basislager werden erstmals Pläne geschmiedet: Mit Essen für drei Tage will das gemischte Doppel am nächsten Tag wieder einsteigen. Doch der Morgen bringt eine böse Überraschung in Form von Schneefall. Auch Tags darauf hat sich an der Wetterlage nichts geändert, was die Stimmung trotz bester Verpflegung absinken lässt. Nach einer eisiger Nacht ist der Wetterumschwung endlich da. Am Morgen des 18. März geht es bis zum höchsten Punkt ihrer Erkundungstour. Von hier steigen die beiden mit einer neuen Methode weiter: Der Führende klettert Solo, die Aufgabe des Zweiten ist es, mit den beiden Rucksäcken nachzujammern. Eigentlich eine gute Idee, um Zeit zu sparen, doch leider hat diese Taktik auch Nachteile, speziell für den Zweiten, der sich immer in den der Schußlinie des Führenden befindet. Vor Einbruch der Nacht haben Steck und Easton den orangefarbenen Wandteil fixiert, den sie von unten als Schlüsselpassage ausgemacht haben. Doch nach einer kurzen Biwaknacht entpuppt sich die weitere Kletterei als wesentlich anspruchsvoller als angenommen. Acht Längen haariger Mixed-Kletterei mit dünner Eisauflage führen die beiden bis zur Headwall, die sich als äusserst widerspenstig erweist. So wird ein zweites Biwak nötig. Der nächste Morgen beginnt mit einem zweistündigen Psychokampf für Ueli: Erst nach anspruchsvoller Mixedkletterei auf dünnem Eis und äusserst dürftiger Absicherung gibt sich die letzte Schlüsselstelle geschlagen. Nun ist der Weg zum Gipfel frei. Am 20. März um 18.30 Uhr steht das Team aus Kanada und der Schweiz auf dem höchsten Punkt des Mount Dickey. Zufrieden kochen sie zuerst zwei Liter Tee, bevor sie völlig übermüdet den Abstieg angehen. Und zufrieden können sie auch sein den die 28 Seillängen von Blood from the Stone (5.9,A1/M7+,Wi6+) waren alles andere als ein Zuckerschlecken.
 

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