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03 - 06.2003
Ich esse gerade Haribo Gummibärchen, höre Musik und lese die neuste Ausgabe des Climbing Magazin. Ich lese von all den Jungs und Girls die im Fels und Eis auf dieser Welt ihren Spass haben. Der Wind bläst über mein Zelt und ich befinde mich seit 2 Tagen am Fuss der Jannu Nordwand. Das Wetter wäre super, aber wie das so ist im Himalaya muss man sich immer zuerst an die Höhe gewöhnen. Wieder mit von der Party ist der alte Hase Erhard Loretan, er der 3 Mensch der alle 14 Achttausender bestiegen hat, bringt die nötige ruhe ins Team. In einem anderen Zelt schläft gerade der Patagonienspezialist Stephan Siegrist . Er ist zum ersten Mal im Himalaya und kämpft zur Zeit mit Magenproblemen. Dann ist da noch der Vierte man im Team. Fred Roux, der Typ spricht kein Wort Deutsch und ist immer guter Laune. "Fred the raide" hat zahlreiche Erstbegehungen im Himalaya hinter sich. Zu Guter Letzt der Benjamin im Team, das bin ich Ueli Steck der einzigen unter 30...
Angefangen hat das ganze eigentlich schon im August 2001. Ich hatte seit langem dieses Bild der Jannu Nordwand über meinem Bett. Die Wand wurde seit Jahren von Namhaften Alpinisten belagert. Bis jetzt hat sie allen Versuchen getrotzt. Ich bin mit meiner utopischen Idee bei Romolo Nottaris, probiere in für mein Projekt zu begeistern. Er ist Feuer und Flamme und verspricht mir die bestmögliche Unterstützung. Lori stösst zu unserem Gespräch. Nach kurzer Zeit wendet er sich für ein paar Minuten ab. Er kommt zurück: "wann gehen wir?" Im Herbst 2002 ist es dann so weit, nach intensiver Vorbereitung sitzen Chantal, Lori und ich im Flieger nach Nepal. Der Gipfelerfolg blieb leider aus. Mit vielen Erfahrungen kehren wir in die Schweiz zurück.
Der Expeditionsalltag hat bereits begonnen. In den letzten zwei Tagen haben wir uns gegen dünne Luft und verschneite Felsen bis ins Lager 1 gekämpft. Nach zwei Tagen haben wir uns heute einen Ruhetag verdient, ich freue mich auf ein grosses Milchkaffe....... Wir sind auf dem Weg mit vollbeladenen Rucksäcken ans Ende der Fixseile. Der grosse Eisturm der uns für ca. 40 Minuten, des Aufstiegs bedroht, steht immer noch. Irgendwie hatte ich gehofft er würde zusammengebrochen sein, bevor wir wieder aufsteigen. Wir erreichen den Platz für Lager 1. Ein wunderschöner Platz in den Felsen am Rand des Gletscherplateau. Ich und Lori beschliessen die Nacht hier zu schlafen. Das Wetter ist fantastisch und wir fühlen uns blendend. Die Seile vom letzten Jahr sind noch fast alle in der Wand. Vorsichtig werden wir sie kontrollieren. Die 1000 Meter Seil sind wie ein grosses Geschenk und geben meiner Motivation noch einmal einen riesen Schups! Die erste nacht auf 5600 Meter war stürmisch. Am Morgen liegt mein Zelt im Schnee eingehüllt. Ich schlief von 18.30 bis 6.00 am Morgen wie im siebten Himmel. Der Wind bläst immer noch recht stark und ich lade Erhard zum Kaffe in meinem Zelt ein. Zu zweit stampfen wir los um die Seile zu kontrollieren. Das Thermometer fällt ziemlich unter den Gefrierpunkt. Unsere leichten Bergschuhe sind nicht unbedingt für diese Temperaturen geschaffen. Als wir losgehen habe ich einbisschen kalte Füsse, was ganz normal ist am Morgen. Abwechselnd spuren wir über den Gletscher zum Einstieg. Mein rechter Fuss will einfach nicht warm werden. Lori probiert sich durch den Meter Hohen Pulverschnee zum Bergschrund durchzuwühlen. Ich benutze die Zeit um meinen Fuss zu massieren. In der Hoffnung das meine Zehen jetzt auftauen folge ich in Erhards Graben. Am Anfang der Seile wollen wir ein Materialdepot anlegen. Meine Zehen sind inzwischen ganz weiss und ich spüre überhaupt nichts mehr. Ich beschliesse ins Lager 1 abzusteigen und meine Füsse aufzuwärmen. Das heisse Bad wirkt wunder. Die schmerzen die ich nun verspüre sind ein gutes Zeichen. Am Schluss ärgere ich mich über den verlorenen Tag. Genau zum Essen sind wir im Basislager. Steff und Fred steigen ins Lager 1 auf. Erhard und ich erholen uns im Basislager. Dann der Funkspruch: "Ueltsch von Steff antworten". "Ja verstanden!". "Es hat sehr viel Schnee und dein Zelt ist zerfetzt!"........ Das heisst für mich noch einmal ein Zelt hochschleppen.......
I ch verbringe 4 Nächte im Lager 1. Probiere etwas Schwung ins Team zu bringen. Am zweiten Tag ist Fred krank, seine Augen haben zuviel UV strahlen abgekriegt. Ich bin alleine in der Rampe und probiere uns etwas höher zu bringen. Das Wetter ist nicht so gut und ich muss noch vor unserem High-Point vom letzten Jahr umkehren. Am Tag darauf ist Steff an meiner Seite. Es wird ein genialer Tag. Wir gewinnen beträchtlich an Höhe.
Wieder einmal beginnen wir mit dem endlosen Aufstieg an den Fixseilen in der Rampe. Wir wollen Lager zwei einrichten. Als wir am Ende der Seile ankommen, schneit und stürmt es schon recht heftig. Wir erreichen gerade noch den unteren Teil des Gletschers und graben uns eine Höhle. 3h schwerstarbreit, bis wir uns in unserem Loch verkriechen können. Draussen Stürmt es ziemlich heftig. Die Nacht wird mühsam. Wie ich das hasse in einer Höhle eingepfercht zu sein. Zudem die erste Nacht in einer neuen Höhe, 4 mal Atmen dann ein Aussetzer kurze Zeit später halb am ersticken und das ganze wieder von vorn...... Um 22.00 Uhr ist unsere höhle völlig Zugeschneit. Raus aus dem mehr oder weniger warmen Schlafsack und wieder schaufeln. Irgendwann nach etwas schlafen, Tee kochen, schaufeln wird es Morgen. Ein strahlend schöner kalter Tag bricht an. Steff sichert mich noch 100 Meter, danach steigt er mit Kopfschmerzen ab. Ich klettere noch weiter. Aber das Eis ist sehr hart und ich komme nur mühsam vorwärts. Nach weiteren 200 Meter seile ich deprimiert ab...... Schicht Wechsel. Fred und Lori sind am Drücker. Sie starten um 2.00 am Morgen und erreichen unser Schneeloch um 9.00. An der Stelle wo ich gestern umgekehrt habe ist nun Fred am klettern. Er benötigt 3 stunden und etliche Flugminuten, bis er die 40 Meter Seillänge klettern kann. Ich beobachte das ganze aus dem sonnigen Basislager mit dem Fernrohr. Ich verliere meinen Optimismus für die Headwall. Die Russen waren 16 Teammitglieder und ereichten nur eine Höhe von 7100 Meter......
Nun Bin ich schon 10 Tage im Basislager. Wir warten auf stabiles Wetter. Die Zeit wird knapp. Wir haben uns entschieden die Beghin-Route zu Vollenden. Da wir unmöglich mit der verbleibenden Zeit bis zum Monsun die Headwall klettern könnten.
Unser Zeitplan: 7.00 Aufbruch C1 14.00 Erreichen von C2 1 h Rast 15.00 Aufbruch zum Gipfel. 5.00 Ausstieg auf den Gipfelgrat 12.00 Gipfel 21,00 retour C1 Mal sehen.....
Langsam aber sicher breitet sich das Basislager Syndrom aus. Wir blättern in Magazinen und schneiden jedes schöne Bild aus, um es dann an die Zeltwand zu kleben. Brauche wohl nicht zu erwähnen das es vorzüglich Bilder weiblicher Personen waren...... Gefolgt von stundenlangen Diskussionen über mögliche neue Routen...... Ich denke wir haben bereits so viele Projekte besprochen das ein Leben zu kurz wäre um alles zu klettern. Aber was soll's man muss ja Träume haben. Jeden Tag erhalten wir wieder einen Wetterbericht, und nie hat der Typ am anderen Ende des Telefons gute Nachrichte, Schnee oder Wind schon seit 15 Tagen. Und Jetzt zieht noch ein Jetstream herein...... Warten, warten, warten...... Am 7. Mai ist es dann endlich so weit, der Wetterfrosch verspricht uns gutes Wetter. Wir starten. Im Lager 1 müssen wir erstmals all unsere Kleider trocknen. Das Hotel steht unter Wasser. Am Morgen in der Früh steigen wir in die Rampe ein. Die seile sind zum Teil tief unter dem Eis oder vom Steinschlag abgeschlagen. Erst um 15.00 erreichen wir die Stelle, wo C2 stehen sollte. Es ist völlig eingeschneit, stundenlang schaufeln wir bis wir endlich das Zelt finden. Es ist schon fast Nacht und wir beschliessen die Nacht hier zu verbringen. Wir Teilen zu Viert zwei Schlafsäcke. Wir kommen uns etwas näher.... keiner kann wirklich schlafen. Am Morgen sind alle froh das es weiter geht. Es ist ein strahlend schöner Morgen. Schon bald wir uns die Sonne wieder aufwärmen. Schnell erreichen wir das obere Plateau. Wir werden noch die letzten 200 Meter Seil fixieren und dann bis um 17.00 warten. Wir wollen die Nacht durchklettern und am nächsten morgen den Gipfel erreichen...... Es ist nicht mehr weit 300 Meter schneelaufen bis zum Gipfelgrat, eigentlich keine grossen Schwierigkeiten mehr bis zum Gipfel..... Wir sind uns sicher wir werden den Gipfel erreichen und beginnen eine kleine Malzeit zu kochen. Jeder macht sich schon Gedanken wie es da oben sein wird. Aber dann kommt sehr schnell starker Wind auf, und mit dem Wind Wolken. Kurze Zeit später beginnen heftige Schneefälle..... Wir werden nervös, wir sitzen hier in einer Mausefalle. Schon bei 5-10cm. Neuschnee ist hier oben die Hölle los. Es schneit schon über eine stunde als wir entscheiden abzusteigen...... Aus der Traum!! Schnee schiesst schon in kleinen Lawinen über unsere Köpfe. Steff wird einmal fast zugedeckt. Wir Seilen ab was das Zeug hält. Doch die Seile sind in einem erbärmlichen Zustand, eingefroren und zum Teil schon wieder abgeschlagen..... um 1.00 in der Nacht erreichen wir Lager 1. Die ganze nacht blähst ein starker Wind. Am nächsten Morgen: Was machen wir? Probieren wir noch einmal? Die Seile sind in einem katastrophalen Zustand. Was wird das Wetter machen? Und nach diesem Ausflug brauchen wir mindesten 3 Tage Pause. Wir brechen das Lager 1 Ab. Kein leichter Entsscheid........ Wir Telefonieren wieder dem Wetterfrosch. Er sagt uns für mindestens 1 Woche ziemlich schlechtes Wetter voraus. Wir Beenden erstmals das Thema Jannu Nordwand |