07.07.2006
Am 07.07.06 sitzen wir den ganzen Tag bei schönstem Wetter im ABC und diskutieren, überlegen, starren den Berg durch den Feldstecher an und diskutieren wieder. Wir haben gerade den Gipfelversuch abgebrochen, wegen Lawinegefahr. Die Nachricht vom Gipfelerfolg auf der Südseite stimmt uns nicht gerade fröhlicher. Kann sich in 2-3 Tagen die Schneedecke auf rund 7000m verfestigen? Wenn wir nicht hochgehen und nachschauen, wissen wir es nie! Das Wetter bleibt nach Meteostest Bern auf jeden Fall gut. Also los geht’s!
Zum 9 Uhr Kaffee sind wir in Lager 1 – ohne viel Gepäck und bei perfekt gefrorenen Verhältnissen kommen wir inzwischen viel schneller voran. Wieder ein langer Tag mit Warten und Essen bricht an. Die Warterei wird schön langsam zur Zerreißprobe! Dafür haben wir genug zum Essen – wir sind ja nur noch zu dritt: Ueli, Cedric und Hans.
Die anderen 6 haben sich entschieden nicht noch einmal zu probieren.
Um 3 Uhr kriechen wir aus den warmen Daunen und machen uns auf den Weg. Die 450m Fixseil sind fest im Eis eingefroren und müssen mühsam und vorsichtig ausgepickelt werden. Um 8 Uhr erreichen wir den Umkehrpunkt vom letzten Gipfelversuch.
Hans und Cedric warten mit sicherem Abstand, Ueli spurt mit gemischten Gefühlen weiter. Es wird sofort klar, dass sich die Schneedecke deutlich verfestigt hat.
Trotzdem sind wir erleichtert, als wir das kurze Seil unterhalb Lager
2 erreichen und uns um 9:30 Uhr im Lager zum Kaffee einrichten können. Leider eine halbe Stunde zu spät zur Pause – jetzt sollten wir den Gipfel erreichen, damit Kari uns die verspätete und etwas verlängerte 9 Uhr Pause nicht vorwerfen kann. Um das schlechte Gewissen zu beruhigen, spuren wir noch weiter bis auf 7100m. Ueli und Hans teilen sich ein Dormicum, das uns exakt bis 5 vor 10 einen tiefen Schlaf ermöglicht.
Eine halbe Stunde später keuchen wir hinter Cedric von 6850m los. Die Taschen der Daunenanzüge sind mit allem Notwendigen gefüllt, die Rucksäcke bleiben im Lager. Eine knappe Stunde später endet unsere Spur vom Vortag – jetzt fängt die Arbeit an. Abwechselnd kämpfen Hans und Ueli durch den teils hüfttiefen Schnee. Cedric hat ziemlich Probleme und fällt immer wie weiter zurück. An den bis 50° steilen Passagen wird die Wühlerei zur Motivationsfrage. In der Hoffnung, auf dem Grat auf festen Untergrund zu stoßen, geben wir nicht auf. Trotz der Anstrengung kriecht langsam die Kälte in die Zehen. Hans zieht die Schuhe aus und wir müssen sie massieren bis er wieder etwas Gefühl hat.
Dabei müssen wir enttäuscht feststellen, dass auch auf dem Grat beste Tiefschneeverhältnisse zum Skifahren wären. Der Vollmond lässt uns die riesigen Wechten erkennen, die samt uns in die Nordwand nach China abbrechen könnten. Alternative sind die Pulverschnee geladenen Lawinenhänge, die 1500m nach Pakistan führen.
Nur langsam quälen wir uns dem Grat entlang, der zur Gipfelpyramide führt, die sich in der Dunkelheit fast senkrecht vor uns erhebt. Weit hinten in Pakistan sehen wir Wetterleuchten. In der Dämmerung gelangen wir endlich zum Beginn des Gipfelcouloirs. Ein zweites Eisgerät würde im bis zu 60° steilen Firn und Eis die Nerven beruhigen – der Skistock stört mehr. Am Ende des Couloirs warten Hans und Ueli fast 1 h auf Cedric, er hat nicht aufgegeben und kommt langsam nach. Um 07.00 Uhr am 10.07. gehen wir zusammen die letzten Schritte auf den Ostgipfel(7772m) des Gasherbrum II. Die Freude hält sich in Grenzen – wir müssen wieder absteigen und fürchten die starke Sonneneinstrahlung in den steilen lawinen-gefährdeten Hängen. Der Abstieg und erneute Aufstieg (500m) auf den Gasherbrum Hauptgipfel erübrigt sich bei diesen Verhältnissen.
Zwei Tage später können wir im Basislager das chinesische Bier und eine Flasche Castello Luigi 2001 genießen und freuen uns, die erste Route durch diese riesige abgelegene Wand geklettert zu haben.
Ohne die Zusammenarbeit mit dem ganzen Team hätten wir keine Chance gehabt!
Danke!
Alle Teilnehmer
Jan Schnidrig, Harry Reeves , Manuel Gonzalez, Kari Kobler(Organisator, Michi Lerijan, Stephan Siegrist,
Hans Mitterer, Gipfelteam
Cedric Hählen , Gipfelteam Ueli Steck, G
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