Einmalige Kletterwochen in den Kanadischen Rocky Mountains Drucken E-Mail

Zur Bildergalerie

15.10 - 09.11.2007


Der Empfang in den Kanadischen Rocky Mountains war nicht besonders freundlich: Schneefall, heftige Winde und bereits empfindlich kühle Temperaturen wehten uns um die Ohren. Der Winter hat in diesen Breitengraden bereits Einzug gehalten.
Unser Hauptquartier haben wir in Canmore bezogen. Wir logieren die nächsten Wochen bei Will Gadd und Kim. Das kleine Städtchen ist ein guter Ausgangspunkt zum Banff und Jasper Nationalpark, wo sich unzählige spektakuläre Eiskletter- und Alpinrouten befinden.
Ich bin mit Simon Anthamatten, einem jungen und sehr talentierten Bergsteiger aus Zermatt unterwegs. Unser Vorhaben ist ganz simpel: Eisklettern und Bergsteigen, soviel es geht und hoffentlich so wenig wie möglich – oder am besten eigentlich gar nicht - herumzusitzen.
Während unseres 10-stündigen Flugs nach Calgary haben wir uns all diese guten Mixed- und Eisrouten, die es zu klettern gibt, angesehen. Viele dieser Erstbegehungen wurde bis anhin kaum wiederholt. Wenn wir dabei gleichzeitig auch noch neue und somit noch nie begangene Routen entdecken, werden wir natürlich nichts unversucht lassen und diese in Angriff nehmen.
Am Ende werden es einmal mehr das Wetter und die Verhältnisse am Berg sein, die darüber entscheiden, was machbar ist und was nicht.


Freitag, 18. Oktober

„Polarity“ - Mt. Andromeda (3450m)


Wir sind eben von einer richtig guten Eisklettertour zurückgekommen und sehr zufrieden mit unserem Abenteuer.
Gleich nach unserer Ankunft hören wir von einer Route genannt „Polarity“ (Wi 5+ Grad VI) am Snowdome-Peak. Drei Kanadische Bergsteiger, Dana Ruddy, Cory Richards und Ian Welsted klettern in zwei Tagen diese neue Alpinroute zur rechten Seite von „Slipstream“. Länge der Eislinie: ca. 800 Meter. Allerdings klettert das Team nur bis zum Ende des Eiswasserfalls. Danach folgt eine äusserst spektakuläre Passage über den Serac, worauf sie beschliessen, umzukehren. Sie zeigen uns Bilder der Route sowie der letzten Seillänge.
Simon und ich sind sofort Feuer und Flamme und beschliessen, diese Linie gleich am folgenden Tag zu probieren. Noch nie zuvor bin ich eine so lange Eislinie geklettert.

Der Bergsteigeralltag beginnt stets sehr früh am Morgen. Ich nehme trotzdem zwei „Cafés“ am Morgen: eines für das linke Auge und eines für das rechte. Es ist noch stockdunkel als wir bei Schneefall entlang des Icefield Parkway, das sich im südlichen Abschnitt des Jasper Nationalparks befindet, in Richtung des Mount Andromeda fahren. Um 6.30 Uhr parken wir unser Auto. Es schneit. Zügig marschieren wir zum Wandfuss – ohne Biwakmaterial. Unsere Devise lautet: entweder wir sind schnell genug und schaffen es gleichentags auf den Gipfel, oder wir kehren zurück. Insgeheim hoffen wir natürlich, dass wir das Abenteuer erfolgreich beenden werden.

Es ist 9 Uhr als wir den unteren Abschnitt der Route erreichen.
Die ersten 500 Meter entpuppen sich als einfaches Eisgelände, was uns veranlasst „solo“ zu gehen. Wir sind schnell unterwegs und es scheint immer wahrscheinlicher, dass wir eine reelle Chance haben, die Linie in einem Tag zu klettern.
Bevor es richtig steil wird, seilen wir uns an. Es schneit immer noch heftig. Wir sind aber beide so motiviert, dass uns dieses Wetter und die leicht sinkenden Temperaturen nicht aus dem Konzept bringen. Nach zwei Seillängen sind wir völlig durchnässt. Auch „Gore Tex“ stösst irgendwann einmal an seine Grenzen.

Ich bin gerade dabei in die 4. Seillänge einzusteigen, mein Blick auf die Eispickel gerichtet, als ich ganz plötzlich ein beängstigendes Geräusch wahrnehme. Im gleichen Augenblick löst sich neben mir ein 5 Meter langer Eiszapfen und donnert mit lautem Getöse in die Tiefe. Ein Glück, dass dies nicht in der vorherigen Seillänge geschah. Dann hätten Simon und ich uns nämlich direkt darunter befunden...
Um zwei Uhr nachmittags stehen wir bereits ganz oben in der letzten Seillänge, dort wo die drei Kanadischen Bergsteiger die Route beendeten.
Ich muss zugeben: das Eisdach über der mir bevorstehenden Seillänge sieht alles andere als einladend aus. Ich kann gut verstehen, dass die drei Kanadier da nicht hinauf wollten. Als Simon zu mir aufschliesst, sagt er mir, er wolle diese Seillänge nicht vorsteigen. Ich will es zumindest versuchen. Man weiss ja nie, wann sich eine ähnliche Gelegenheit wieder ergibt, eine derart anspruchsvolle Seillänge in einer anspruchsvollen Alpineroute erneut zu klettern.
Das Eis splittert ununterbrochen. „Endlich richtiges Eisklettern“, denke ich mir unentwegt und meine Euphorie ist nicht zu stoppen. Simon sichert geduldig.
So beenden wir die Route unmittelbar unter der riesigen Schneewächte; 50 Meter weiter oben als die Erstbegeher.
Wir seilen uns die 800 Meter wieder ab und stehen nach 12 Stunden und 15 Minuten wieder bei unserem Wagen. Es schneit noch immer.

Vielleicht ist die riesen Schneewächte eines Tages etwas schmaler und jemand schafft es direkt auf dem Gipfel auszusteigen: es wären keine 10 Meter mehr bis dahin!


Samstag, 20. Oktober

„Riptide“ - Mt. Patterson (3191m)


Es ist schon spät. Wir haben einen langen und erneut erfolgreichen Tag hinter uns. Das Wetter hat sich kaum geändert. Simon und ich geniessen zufrieden unser Abendessen in einem Pub und diskutieren über unser nächstes Projekt.

Aber zuerst noch zum heutigen Tag.
Wir klettern eine Eiswasserfall-Linie genannt „Riptide“, am Mount Patterson.
Der Anmarsch zum Berg gestaltet sich recht abenteuerlich und wir müssen zahlreiche kleinere Bäche überqueren. Wir lösen dieses Problem, in dem wir kleinere und grössere Baumstämme über die Bäche stemmen, die wir als Brücke benutzen. Ok: unsere „Swiss-Bridges“ haben nichts mit Schweizer Qualitätsarbeit zu tun, aber wir erreichen den Wandfuss wenigstens trockenen Fusses.
Routenbeschreibung aus dem Führer: „Die Route stellt psychologisch die grössere Herausforderung dar als technisch. Lange schneebedeckte Abschnitte, hohles und dünnes Eis sind normal.“
Genau so ist die Route heute auch zu klettern. Uns wurde nicht zuviel versprochen.
Die ganze Zeit werden wir von „spindrifts“, kleinen Lawinen, überschüttet. Am Ende sind wir wieder einmal bis auf die Unterwäsche durchnässt.

Unser Plan ist es, morgen zum Mount Patterson zurückzukehren. Wir haben eine grossartige Mixed-Linie zur rechten Hand von „Rocket Man“ gesehen. Mal schauen, ob wir eine neue Route eröffnen können.


Montag, 22. Oktober

Kletterhalle und Coffeeshops


Der Mount Patterson ist zur Zeit unser auserwähltes Ziel. Nur spielt das Wetter immer noch nicht mit. Obwohl wir am Sonntag immerhin die ersten drei Seillängen der neuen Linie schafften, verbrachten wir sage und schreibe 11 Stunden in der Wand. Es ist eine sensationelle Route und der obere Teil sieht ganz nach einer Eislinie aus, bevor man auf „Rocket Man“ stösst, eine Route zur linken Seite unserer neu gewählten Linie. Wir haben die Felslängen mit Normalhaken und Bohrhaken eingerichtet. Das nächste Mal können wir versuchen, die Route frei zu klettern.

Heute wagen wir einen erneuten Versuch. Aber weiter als zum Parkplatz kommen wir nicht...Der Wind ist einfach zu stark.
Der Weg in die Kletterhalle ist zum Glück nicht weit und führt – welch ein freudiger Zufall - an diversen „Coffeeshop`s“ vorbei.


Freitag, 26. Oktober

Ausser Spesen nichts gewesen – Howse Peak (3295m)


Um 3.30 geht’s heute los. Der Wetterbericht ist so gut wie noch nie, seit wir hier sind. Unser Ziel ist der „Howse Peak“. Mit im Gepäck haben wir Essen für drei Tage und Schlafsäcke dabei. Der Howse Peak liegt ca. 5 km westlich des Icefield Parkway. Er ist mit 3295 der höchste Punkt im Waputik Range. Diese Wand ist der Traum jedes Bergsteigers. Steil und hoch über uns ragt sie in den Himmel. Aber den Himmel können wir leider immer noch nicht sehen. Nach vier Stunden Anmarsch sitzen Simon und ich mit sicherem Abstand am Wandfuss. Ungefähr im vier Minuten-Takt fegen Neuschneelawinen über die Wand hinweg. Fast eine ganze Stunde beobachten wir das Treiben aus sicherer Entfernung, bevor wir einstimmig den Rückweg zum Auto antreten. Keine Chance heute, einzusteigen, obschon das Wetter nicht so schlecht wäre. Aber in der Wand ist so viel Neuschnee gelagert, dass ein Einstieg ziemlich hirnlos wäre. Geniessen wir eben einen weiteren Abend in der gemütlichen Stube von Will und Kim.


Samstag, 27. Oktober

„Rocket Baby“ - neue Route am Mt. Patterson


Wir gehen zurück zu unserem alten Projekt am Mt. Patterson. Die Route ist eigentlich eingerichtet. Wir haben unser Ziel erreicht und die Linie frei geklettert. Diese neue Linie haben wir „Rocket Baby“ getauft. Grad VI M8+/Wi5+X.

Wir sind sehr früh unterwegs. Wir möchten genügend Zeit haben, um die 350 Meter hohe Route zu klettern, zumal wir noch nicht wissen, ob wir sie überhaupt frei klettern können. Simon und ich sind uns nicht sicher, wie wir das Ganze angehen wollen.
Falls die zweite Seillänge nicht auf Anhieb geht, überlegen wir uns, ob wir nicht zuerst die ganze Route bis ganz nach oben durchsteigen sollen. Oder, ob wir die zweite Seillänge probieren, bis wir die komplizierten Kletterbewegungen sturzfrei aneinander reihen können.
Nach zwei Stunden Anmarsch stehen wir um 8.30 Uhr am Einstieg. Simon klettert die erste Seillänge vor, ich folge als zweiter. Schnell haben wir diese M5 Seillänge hinter uns. Jetzt geht’s richtig zur Sache. Ich steige in die zweite Seillänge ein.
Ich habe keine Ahnung, ob es funktionieren wird oder nicht.
Was ich mit Sicherheit weiss, ist, dass die „Hooks“ sehr schlecht sind, abschüssig. Die ersten Meter gehen ganz gut über das grosse Dach. Spätestens jetzt bin auch ich wach und ich klettere Zug um Zug, Meter um Meter zum nächsten Standplatz. Ich benötige 40 Minuten, um mich in diesem sehr unübersichtlichen Gelände zu orientieren, aber ich komme sturzfrei am Standplatz an. Die erste Hürde ist genommen. Übermotiviert klettern wir weiter. Es gibt keine Seillänge in dieser Route die einfach zu klettern ist. Die 59 Meter lange Eisseillänge mausert sich zum Test für die Psyche.

Das Eis ist dünn, sehr dünn sogar und es ist nicht möglich, eine verlässliche Zwischensicherung anzubringen. Um 16.30 sind wir am Ausstieg.
350 Meter sensationelle Kletterei liegen hinter uns.
Pünktlich um halb acht erreichen wir Lake Louise, eine Halbestunde bevor der Coffeshop schliesst.
Ein perfekter Tag in den Rockys!


Dienstag, 30. Oktober

Keine Chance am Howse Peak –
wir klettern den klassiker „Sea of Vapors“ (Mt. Rundle)


Um 4.00 fahren wir wieder los. Die Wetterprognosen sind super. Es ist das erste Mal dass wir bei Sternehimmel losfahren. Mit Kaffee und „creamcheese bagel“ im Auto fahren wir Richtung Icefield Parkway. Spätestens nach Lake Louise ist die Sache klar. Die Bäume sind mit Schnee bedeckt. Ein paar Kilometer weiter ist auch die Strasse völlig schneebedeckt. Auf dem Parkplatz liegen 20 cm Neuschnee.
Der Fall hat sich erledigt: keine Chance bei so viel Neuschnee loszugehen.
Trotzdem: wir warten zwei Stunden im Auto bis zum Tagesanbruch. Wir wollen zumindest sehen, dass die Wand auch verschneit ist. Es ist tatsächlich so, wie wir befürchtet haben: die Wand ist eingeschneit und es gehen regelmässig Lawinen zu Tal. Schade: so ein wunderbarer Tag, so schönes Wetter. Die Bedingungen wären vielleicht besser zum Skifahren. Wir fahren zurück nach Canmore.

Zu Hause angekommen empfängt uns Will mit grossen Augen. „What are you doing here?“, fragt er uns völlig perplex.
Wir zeigen ihm die Bilder vom Morgen. Jetzt begreift auch er, warum wir zurück gekommen sind.
Völlig demotiviert sitzen wir am Tisch bei einer Tasse Kaffe. Es ist erst 11.00 Uhr morgens und das Wetter hier in Canmore ist wunderschön. Eigentlich der Erste richtig schöne Tag, seit wir hier in Kanada sind. „Fahrt doch zum Mount Rundle“, schlägt er uns vor.
Es ist zwar schon spät, aber für uns reicht das schon. Ganz so sicher bin ich dann doch nicht, aber wir fahren trotzdem los nach Banff. Ziel: „Sea of Vapors“ am Mount Rundle.
Der zweieinhalbstündige Anmarsch zum Berg bringen wir in 45 Minuten hinter uns.
Um 13.15 Uhr steigen wir in die Route „Sea of Vapors“ ein. Eine Eisroute, die den Grad Wi7 bekam. Es ist früh in der Saison und das Eis demzufolge noch ziemlich dünn. Die Seillängen sind zwar nicht extrem steil, aber absichern lässt sich das Ganze kaum. Die kurzen Eisschrauben stehen schon nach wenigen Zentimetern auf dem Fels auf. Der angeklebte Eispanzer zieht sich 165 Meter in den Himmel. Eine fast schon majestätische Linie.
Pünktlich zum Abendessen sind wir wieder in Canmore. Ein langer, langer Tag geht mit Bier und Pizza zu Ende. Danke Will für die tolle Idee.

Die Hoffnung auf den Howse Peak zu kommen, haben wir noch nicht aufgegeben!...


Freitag 2. November 2007

Solo „Ten years After“ (Mt. Rundle)


Wir fahren erneut zum Mount Rundle. Das Wetter ist gar nicht so schlecht. Ein Blick in Richtung der weiter oben gelegenen Icefields sagt uns, dass es immer noch bewölkt ist und dass es schneit.
Jetzt ist auch bereits die Strasse von Banff zum Golfplatz geschlossen. Das heisst, dass wir 5 km weiter wandern müssen, als noch das letzte Mal. Wir haben Glück! Gerade fährt die Kehrichtabfuhr ein letztes Mal zum Golf-Clubhaus. Wir hängen uns hinten am Truck an. Jetzt fehlen uns nur noch die orange-farbigen Overalls!...
Unser Tagesziel: die Route „Ten Years After“. Oben angekommen, stellen wir fest, dass wir doch zu spät aufgestanden sind.
Zwei Kanadier stehen bereits am Einstieg. Wir schreiten zu Plan B über und klettern erstmals „Sacre Bleu“ (Wi 5+). Es ist eine ideale Route zum aufwärmen und eine richtig schöne Eiskletterei.
Wir kehren zurück zu „Ten Years After“. Es ist niemand mehr zu sehen. Am Abend finden wir das heraus, was wir uns bereits am Nachmittag gedacht haben. Die zwei Jungs haben aufgegeben. Sie fanden, dass das Eis für sie zu dünn und zu anspruchsvoll sei. Deshalb beschlossen sie, nach Hause zu fahren.
Gut aufgewärmt klettern Simon und ich die Route. Das Eis ist wirklich dünn, aber solid und gut angeklebt an den Fels. Einzig die Zwischensicherungen fallen spärlich aus. Es ist eine Route wie aus dem Bilderbuch.
Wir befinden uns beide wieder am Einstieg und es ist noch nicht sehr spät am Nachmittag.
Ich beschliesse, noch einmal in die Route einzusteigen. Diesmal klettere ich ohne Simon und das Seil habe ich auf den Rücken gebunden.
Es ist das erste Mal seit meinem Unfall, dass ich wieder ohne Seil klettere.
Und es ist ein gutes Gefühl. Meine innere Ruhe kehrt langsam wieder zurück!


Samstag, 3. November 2007

„Not Flying is not Trying“ - wieder eine neue Route (Mt. Rundle)


Die erste Route von gestern war ein guter Zufall. Wir entdecken eine neue Route über „Razor Blade“ (Wi 4+). Auch am gestrigen Tag, eröffneten zwei „locals“ zwei Seillängen über dieses zweite Felsband.
Simon und ich gehen eine Route links davon an. Ein gewaltiger, freihängender Zapfen bildet den Ausstieg dieser Route. Die drei Seillängen von „Razor Blade“ sind interessant. Die Route ist nicht steil aber dünn, sehr dünn. Gegen Mittag stehen wir unter dem zweiten Felsriegel. Jetzt ist es neues Gelände. Das Eis hat noch niemand vor uns berührt. Eine Wi 5 + für die erste Seillänge zu einem super Standplatz unter dem Zapfen. Die Länge bringen wir schnell hinter uns und sie bereitet uns keine grosse Schwierigkeiten.
Simon startet in die zweite Seillänge. Sie beginnt mit senkrechtem Eis, das wie eine Zuckerglasur auf den Fels geklebt ist. Die Absicherung fällt spartanisch aus. Das Ziel ist: keine Bohrhaken. Zwei Stunden später befindet sich Simon am Eiszapfen. Endlich, aber wir sind zufrieden. Der Aufwand hat sich gelohnt: eine geniale Seillänge ohne Bohrhaken mit sehr anspruchsvoller Absicherung.

Jetzt bin ich dran, es zu versuchen. Die Seillänge muss noch frei geklettert werden. Leicht „steifgefroren“, hänge ich die erste Zwischensicherung ein. Kurz vor einem Normalhaken hat Simon eine Schlinge um einen kleinen Eiszapfen gelegt.
Ich habe gesagt, dass alles was ein Sturz nicht auffängt, bremst zumindest das Tempo…
Der Normalhaken sieht nicht sehr vertrauensvoll aus. Ich hänge ihn trotzdem ein und denke mir, dass Simon vorher ziemlich lange an diesem Haken gehangen hat. Ein klein wenig sollte er also noch halten können.
Bis zur Schlüsselstelle sind es noch ein paar weite Züge. Die Füsse stehen sehr abschüssig. Mein rechter Hook bricht aus und ich falle. Gerade realisiere ich noch wie der Haken ausreisst und ich bereite mich auf einen langen Flug vor.
Doch dann kann der Eiszapfen mit der Schlinge meinen Sturz bremsen.
Wie man sich doch täuschen kann!...

Simon ist wieder an der Reihe. Die Bewegungsabläufe kennen wir schon und er schafft es, die Seillänge frei zu klettern.
Wir ziehen das Seil noch einmal ab und ich klettere die Länge auch noch frei.
Der Tag geht zu Ende und die geniale Route, die wir geklettert haben, taufen wir
„Not Flying is not Trying“, M8/Wi6.
Eine interessante Route zum wiederholen!


Donnerstag, 8. November 2007

Perfektes Finale für ein „cooler“ Trip – neue Route am „Crowfoot Glacier“


Seit drei Tagen arbeiten wir an dieser neuen Route. Am Dienstag, 6. November stehen wir zum ersten Mal am Crowfoot Glacier im Banff Nationalpark. Eigentlich wollen wir einen letzten Versuch auf den Howse Peak wagen. Aber das Wetter lässt uns einmal mehr im Stich.
Also fahren wir zurück zum Crowfoot Glacier. Die Wand ist noch viel überhängender, als wir uns gedacht haben. Die ersten zwei Seillängen enden auf einem super bequemen Band unter dem grossen Überhang. Unser Ausrüstungsmaterial war aber für die Begehung am Howse Peake gedacht. Wir müssen sehr schnell einsehen, dass wir mit dem bisschen Felsmaterial, das wir dabei haben, keine Chance haben, da hinauf zu kommen. Wir seilen uns ab und sind am Abend am trainieren im Bouldergym in Canmore.
Am Mittwoch, 7. November, steigen wir noch einmal das steile Couloir hoch zur Route. Unsere Motivation hält sich in Grenzen. Den ganzen Tag sind Simon und ich mit dem grossen Überhang beschäftigt. Es ist bereits Abend als wir diese dritte Seillänge der Route beenden. Die Seillänge ist 45 Meter lang und hängt 20 Meter über.
Heute Donnerstag haben wir noch die eine letzte Möglichkeit, diese Route zu beenden. Diesmal sind wir extrem motiviert und wollen diese Linie nicht jemandem anderen überlassen.
Sehr schnell erreichen wir das Band unterhalb der schweren Seillänge. Simon steigt als erster ein. Langsam aber stetig klettert er Meter um Meter. Fels und Eis wechseln sich ab und er benötigt genau zwei Stunden bis er die Seillänge sturzfrei beendet.

Jetzt bin ich an der Reihe. Nach zwei Stunden sichern ist mir etwas kalt. Trotzdem geht das Klettern recht gut voran. Ich hänge schon weit oben an einem kleinen Eiszapfen, genau an den gleichen Hooks wie Simon vorher. Doch diesmal brich der ganze Zapfen ab und ich mit ihm in die Tiefe. Ich bin wütend. Die Zeit rennt uns förmlich davon....
Ich gönne mir eine viertelstündige Pause. Dann steige ich noch einmal in die Seillänge ein. Diesmal klappt alles und auch ich erreiche den nächsten Stand sturzfrei.
Es ist genau 4 Uhr nachmittags und wir haben noch eine Stunde Tageslicht und 50 Meter Eiskletterei vor uns.
Die letzte und vierte Seillänge besteht aus einer gewaltigen freistehenden Eissäule. Es ist ein guter Abschluss für eine geniale Route.
Das Abseilen über diesen gewaltigen Überhang ist im Dunkeln und nur im Scheinwerferlicht der Stirnlampe dann doch ein wenig beängstigend...
 

News

18.01.2012

Winter Alpinismus

05.12.2011

Winterzeit Vortragszeit

03.11.2011

Frühjahr Expedition 2011

Zu den: News

Neuer Vortrag 'Speed'

News image

Zum Vortrag