Gasherbrum II (8035m) Drucken E-Mail

Gerade zurück aus Amerika, wo meine Frau Nicole und ich ohne Ende bei herrlichem und warmem Wetter klettern konnten, müssen wir uns in Kürze vom Sommer verabschieden und uns  auf kältere Temperaturen und Schnee einstellen. Die Expedition ist für mich die Vorbereitung auf mein Ziel im Herbst, wo ich wieder nach Nepal reisen werde.

USA

Amerika war genial. Ich konnte die Route „Golden Gate“ am legendären El Capitan im Yosemite National Park frei klettern. El Capitan ist mit 1000 Meter Höhe der grösste freistehende Granit-Monolith dieser Welt.





Gasherbrum II (8035m)


„Die leuchtenden Berge“, so werden die sechs höchssten Karakorum-Gipfel genannt. Sie liegen nicht wie Everest, Lohtse, Makalu oder Ama Dablam in Nepal, sondern im „Schwesterngebirge“ des Himalaya, dem Karakorum Pakistan.

Der Gasherbrum II ist der einfachste Achttausender Pakistans. Das Basislager liegt in einer unglaublichen wilden, tiefen beeindruckenden Gletscherwelt. In der Nähe liegen Gipfel, an denen Alpingeschichte geschrieben wurden: allen voran der K2.

Der Anmarsch über den 100 Kilometer langen Baltoro-Gletscher führt zu einem der grossartigsten Berggebiete dieser Welt.

Der fein geschwungene Gipfel liegt versteckt mitten im Hufeisen der kühnen Gasherbrum-Gruppe.

Geschichte:
Bis 1939 befand sich das heutige Pakistan und somit auch das Karakorum-Gebirge unter britischer Hoheit; die Engländer waren deshalb die ersten, die den Karakorum kartographiert haben. 1909 stiess eine Expedition des Herzogs der Abruzzen über die bis heute wenig bekannte Nordroute (China) bis zur Gasherbrum-Gruppe vor. Der Schweizer G.O. Dyhrenfurth erreichte am Gasherbrum II im Jahre 1934 eine Höhe von 6250 Metern, folgte jedoch dem Baltoro-Gletscher von Süden (Pakistan) her kommend. Danach war es still im „Tal der leuchtenden Berge“ bis ins Jahr 1956; Die Erstbesteigung über den Südwest- und Ostgrat, gelang einer österreichischen Expedition unter der Leitung von F. Moravec. Der Gasherbrum II gehört wergen seiner objektiv verhältnismässig sicheren Route zu den angenehmeren Achttausender. Während der Fahrt duch das Tal des Indus, folgt man zuerst dem Karakorum-Highway und zweigt dann ab nach Skardu. Über den Baltoro-Gletscher gelangt man ins eindrücklichste Gebirgsmassiv der Erde. Vorbei an berühmten Bergriesen wie Masherbrum, Muzthag Tower, Trango Towers, Gasherbrum IV, Broad Peak, K2 und dem Konkoridaplatz folgt man dem rechten Arm des Baltoro-Gletschers und erreicht das Basislager des Gasherbrum I & II auf einer Höhe von ca. 5100m.

Die Reise geht von Zürich mit einer Linienmaschine nach Islamabad.

Die Weiterreise von Islamabad bis zum Basislager auf 5100m über den 100 Kilometer langen Baltoro-Gletscher dauert insgesamt ca. 1 ½-2 Wochen.

Je nachdem wie sich der Ablauf mit den Ministerien und dem Liasion Officer gestaltet, geht es am 2. oder 3. Tag weiter in einer 12-stündigen Fahrt nach Chillas, um der Hitze Islamabads zu entfliehen. Vorbei an Getreidefelder führt der Weg über Terrassenlandschaft mit Reisfeldern und Teeplantagen. Nach Thakot, dem Eingang zum Indus-Tal, geht es auf dem Karakorum Highway (KKH) dem Indus über Besham weiter nach Chillas.

50 km nach Chillas wird man vom Blick auf den Nanga Parbat (8125m) überrascht. Dem eindrücklichen KKH geht es weiter Richtung Hunztal. Dem Indus entlang erreicht man „little Tibet“, indem man die typischen wilden Canyons durchquert. 12 Jahre dauerte die Erstelleung des KKH, der von den Pakistani gerne als achtes Weltwunder gesehen wird. Ca. 9 Stunden dauert die Fahrtzeit.

Von Skardu geht es mit den Portern und in Jeeps in einer 6-7 stündigen, sehr abwechslungsreichen Jeep-Fahrt nach Aksole (3048m).

Von hier geht in einem 7 tägigen Fussmarsch Richtung Basislager. Der Weg führt durch die sehr aride, fast wüstenhfate Gegend über Flüsse zum Campingplatz Korophan (3253m).  Danach geht es weiter über Paiju (3785m), dem Baltoro-Gletscher nach Urdukas, von wo aus man einen einmalige Aussicht auf die Trango Towers geniessen kann.

Vorbei geht es am Muztag Tower nach Gore. Von nun an besteht der Untergrund für die Zelte nur noch aus dem Eis des Baltoro-Gletschers. Der Konkoridia-Platz, Treffpunkt von Baltoro- und Glodwin Austen-Gletscher, ist ein Schauplatz der Bergriesen wie K2, Gasherbrum IV, Chogolisa und Broad Peak. Das Basislager liegt auf 5100m.











22. Juni 2009
Am Samstag, 20. Juni sind wir nach fast zwei Wochen Reisezeit im Basislager des Gasherbrum auf 5100m angekommen.
Die Formalitäten in Islamabad waren schnell erledigt. Für den Notfall haben wir uns noch das Visum für China besorgt. Falls die politische Situation hier in Pakistan heikel würde, haben wir so die Möglichkeit über China auszureisen.
Wegen schlechtem Wetter konnten wir dann doch nicht nach Skardu fliegen. Durchgerüttelt und hundemüde erreichten wir Skardu schliesslich am 11. Juni nach einer 14-stündigen Busfahrt über den wirklich eindrücklichen Karakorum Highway. Noch einmal so lange dauerte die Busfahrt anderntags nach Gilgit. Busfahren wird definitiv nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung gehören.  Von Gilgit ging es am 14. Juni zum Glück zu Fuss weiter. Am 16. Juni erreichten wir das landschaftlich wunderschöne Paiju (3785m), wo wir einen Tag Pause einlegten. Seit Samstag sind wir nun im Basislager auf 5100 meter.

Dank den Meteodaten von Meteotest kann ich das Wetter genau beobachten und die Akklimatisierung planen. Gestern blieb es den ganzen Tag über trocken. Am Nachmittag zogen Wolkenfelder über den Himmel. In Gipfelnähe wehten starke Winde. Heute Montag bin ich um 00.30 Uhr in der Früh losmarschiert. Im Gepäck Zelt und Essensvorräte für vier Tage. Auf 5900 Meter habe ich das Lager 1 (C1) eingerichtet und bin dann zurück ins Basislager gegangen. Neun Stunden dauerte dieser erste Akklimatisierungsausflug. Morgen ist Ruhetag.







3. Juli 2009 - Gasherbrum Basislager:

Es läuft ziemlich gut hier. Ich war von Dienstag auf Mittwoch bereits das zweite Mal auf 6500m zum Übernachten. Das Wetter war ziemlich schlecht. Nicole, meine Frau, ist mit zwei Pakistani vom Lager 1 abgestiegen. Wir haben einiges an Material deponiert im Lager 1 und auch im Lager 2. Wenn es klappt, versuchen wir erneut am Sonntag ins Lager 1 aufzusteigen und dann noch zusammen bis ins Lager 2 zu gelangen. Nicole wird im Lager 2 bleiben, und ich ziehe dann alleine los. Wenn das Wetter gut ist, nicht zuviel Schnee liegt und ich mich gut fühle, möchte ich einen Gipfelversuch wagen. Das, bevor alle Fixseile der anderen Expeditionen verlegt sind. Das wäre genial und auch für mich schöner. Ich habe das Lager 2 bereits eingerichtet, bevor alle Fixseile verlegt wurden, das war absolut genial. Ist eine schöne Kletterei.





7. Juli 2009 – Gasherbrum Lager 2:

Wegen des unbeständigen Wetters sind wir noch bis am Sonntag im Basislager geblieben. Gestern Montag sind wir ins Lager 1 aufgestiegen. Es liegt viel viel Schnee.
Jetzt sind wir im Lager 2 auf 6500m: immer noch viel Schnee. Es liegt viel Feuchte in der Luft und die Entscheidung, wann und ob ich überhaupt einen Gipfelversuch wagen kann, ist nicht leicht. Ich entscheide jeden Tag von neuem.



Gipfelerfolg für Ueli Steck am Gasherbrum II Hauptgipfel (8035m)


9. Juli 2009

Fast auf den Tag genau drei Jahre nachdem ich 2006 den Ostgipfel des Gasherbrum II (7772) erklommen habe, stehe ich nun auf dem 8035 Meter hohen Hauptgipfel des Gasherbrum II.
2006 haben Hans Mitterer, Cedric Hählen und ich von der Chinesischen Seite aus eine neue Route erstbegangen: Es ist die erste Route von der Nordseite.

Nachdem ich in diesem Frühjahr zusammen mit meiner Frau Nicole für zwei Monate in den USA war, reisten wir am 8. Juni 2009 in den Pakistan. In Amerika gelang mir die rotpunkt Begehung der Route „Golden Gate“ am El Capitan. Ein weiterer Erfolg in meiner Karriere als Profibergsteiger: Nur knapp daran vorbei, der erste Mensch zu sein, der eine Route „on sight“ kletterte am Monolith aus Granit im Yosemite National Park. Bei einer relativ einfachen Seillänge rutschte ich aus einem nassen Riss. So musste ich diese Seillänge noch einmal wiederholen. Mehrere Seillängen im 10. Schwierigkeitsgrad kletterte ich alle im ersten Versuch. Felskletterlegenden wie Yuji Hirayama oder Tommy Caldwell brauchten mehrere Versuche, um diese schwierigen Passagen zu klettern.
Jetzt weht ein anderer Wind. Als Vorbereitung und Akklimatisation besteige ich den Gasherbrum II Hauptgipfel. Es ist mein erster Gipfel über 8000 Meter. Im Herbst will ich mein lang ersehntes Projekt vollenden und ein Gipfel über 8000 Meter über eine technisch anspruchsvolle Route solo begehen. 


Die Bedingungen sind alles anders als ideal. Nach einer viertägigen Pause im Basislager steigen Nicole und ich am 6. Juli erneut ins Lager 1 auf, das auf 5900 Meter liegt.  Die Woche ist geprägt durch sehr wechselhaftes Wetter. Dabei ist ca. ein Meter Neuschnee gefallen. Am 7. Juli wäre der weitere Aufstieg zum Zelt im Lager 2 auf 6500 Meter geplant gewesen. Die Lawinengefahr ist hoch. Wir verbringen einen stahlblauen Tag in Lager 1. Niemand steigt weiter.  Am 8. Juli, um 6.00 Uhr in der Früh, steigen Nicole und ich weiter Richtung Lager 2.  Es ist aber nicht sicher, ob es unter diesen Bedingungen überhaupt möglich ist, ins Lager 2 aufzusteigen. Die Schneesituation ist immer noch prekär. Vorsichtig tasten wir uns vorwärts. Es sind sechs Stunden spuren bis zum Lager 2. Während meiner Akklimatisierung zuvor benötigte ich im Vergleich gerade einmal 2 ½ Stunden für denselben Weg. Das ist nun mal Höhenbergsteigen. Das Lager 2 befindet sich an einer geschützten Stelle auf dem Grat. Unser Zelt steht ca. 100 Höhenmeter weiter höher als das der anderen Teams. Es ist nur sehr wenig eingeschneit. Der Ort scheint wirklich perfekt zu sein. Die anderen Zelte 100 Meter weiter unten sind tief im Schnee begraben.
Am 9. Juli um 00.30 Uhr starte ich zu einem ersten Gipfelversuch. Der Mond leuchtet mir den Weg. Der gefallene Neuschnee bietet  erheblichen Widerstand. Von 6500 Meter bis ca. 7000 Meter ist der Schnee hüfttief. Das Spuren ist sehr anstrengend. Zwischen 7000 und 7450 Meter kann ich auf die abgeblasenen Felsen ausweichen. Das Klettern über den felsigen Grat ist zwar schwieriger, dafür aber weniger anstrengend als das Höhersteigen im hüfttiefen Schnee. Von Lager 4 quert die Normalroute unter der Gipfelpyramide nach rechts. Der starke Wind der letzten Tage hat seine Arbeit gut verrichtet. Die Traverse geht relativ leicht.  Auf dem Col erwartet mich den von Meteotest vorausgesagten Wind. Dieser bläst bis zu 50 km/h. Die Temperaturen fallen dabei auf ca. minus 25 Grad. Vom Col aus sind es noch ca. 300 Höhenmeter zum Hauptgipfel des Gasherbrum II. Der Letzte Aufstieg ist aber noch einmal alles andere als geschenkt. Wieder liegt der Schnee zum Teil fast bodenlos.
12 Stunden nachdem ich den warmen Schlafsack verlassen habe, ist der 8035 Meter hohe Gipfel erreicht. Nur gerade fünf Minuten verweile ich auf dem Gipfel. Es ist alles andere als gemütlich. Wind und Kälte treiben mich zum schnellen Abstieg. Dieser geht dafür etwas leichter im tiefen Schnee.  Das Abrutschen ist eine wohlverdiente Erleichterung. Der  Abstieg bis zum Zelt dauert 2 ½ Stunden.
Insgesamt bin ich 14 ½ Stunden unterwegs. Im Rucksack: 0.5 Liter Peronin, 0.5 Liter Minzentee, 2 Oatmeal-Snacks und 4 Powergels.
Am 10. Juli steigen Nicole und ich wieder ab ins Basislager.

Der Gasherbrum II Hauptgipfel ist mein erster Gipfel an einem Berg über 8000 Meter. Ein einfacher Achttausender. Trotzdem ist dies die ideale Vorbereitung für mich zum eigentlichen Projekt im kommen Herbst: dem Makalu in Nepal. In den nächsten Tagen werde ich noch einmal hochsteigen. Zum Training. Ich werde versuchen, den Gipfel zusammen mit meiner Frau Nicole zu erreichen.
Die eigentliche Vorbereitung ist bereits gemacht. Ich bin zufrieden.










Expedition Gasherbrum II (8035m) - Abschlussbericht


6. August 2009

Etwas früher als geplant, bin ich mit meiner Frau nach Hause zurückgekehrt. Nun habe ich genug Zeit, um die restlichen Sachen für die nächste Expedition am Makalu zu packen und mich noch ein wenig auszuruhen, bevor es am 20. August nach Nepal geht.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Gasherbrum Expedition. Der Gasherbrum II ist ein relativ einfacher Berg. Trotz des unbeständigen Wetters, mit sehr hohen Winden und viel Niederschlägen, konnte ich am 9. Juli meinen ersten Gipfelerfolg auf einem Berg über 8000 Meter feiern. Feiern ist wohl nicht das richtige Wort: mit 5 Minuten Gipfelaufenthalt und einem noch bevorstehenden Abstieg zurück ins Lager 2 hielt sich die Euphorie in Grenzen. Die Saison war außerdem geprägt von viel Neuschneemengen. Vom Lager 2 auf 6500 Meter bin ich am 9. Juli Richtung Gipfel aufgebrochen. Zwischen knie- und hüfttiefem Neuschnee, kämpfte ich mich Richtung Gipfel. 12 Stunden lang wühlte ich mich durch den Schnee. Auf der Gipfelpyramide war ich kurz davor, aufzugeben. „Was soll das Ganze“, dachte ich nach 10 Stunden spuren durch den tiefen Schnee. So weit kann es nicht mehr sein, dachte ich mir, und Höhenbergsteigen ist eine Willensache. „Also weiter!“, war meine Devise.

Auf dem Gipfel angekommen, war der Wind so stark, dass ich nur gebückt „stehen“ konnte.
Im Nachhinein war ich froh, dass die Wetterbedingungen so schlecht waren. Bei 50-60 km/h Wind, ca. -25 ° Grad und viel Schnee konnte ich meine Ausrüstung testen und ich weiss jetzt, wie schnell ich in diesen Höhenlagen klettern kann. Der Abstieg zurück ins Lager 2 dauert dann nur noch zweieinhalb Stunden!
Wie immer habe ich alles akribisch genau protokolliert und konnte so die nötigen Informationen, die mir noch fehlten, ergänzen.
Ich bin motiviert. Mit der Route „Golden Gate“ am El Capitan in Amerika, die ich  frei klettern konnte und der Begehung am Gasherbrum II (8035m) in Pakistan konnte ich zwei ganz verschiedene Projekte realisieren. Einfach ausgedrückt, können diese beiden Projekte gegensätzlicher kaum sein: so gegensätzlich wie die USA und Pakistan kaum sein können. Es sind für mich persönlich grosse Erfolge. Die Komplexität des Trainings für die bevorstehende Expedition in Nepal ist enorm. Ich denke, ich habe einen guten Job gemacht. Sie geben mir das nötige Selbstvertrauen und die Bestätigung, dass mein Trainingsplan sich nicht ganz falsch war.

Leider konnte ich den geplanten zweiten Aufstieg auf den Gipfel zusammen mit meiner Frau nicht mehr realisieren. Das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung und wir wollten noch etwas klettern im einem anderen Teil der Region.
Es waren unvergessliche Wochen, die wir in Pakistan erlebt haben. Wir haben neue Freunde gewonnen. Unsere Pakistanischen Begleiter und Träger sind wunderbare Menschen. Landschaftlich war es ein einzigartiges Trekking. Einfach wunderschön.

Die Makalu Expedition beginnt in Kürze und melde mich also schon bald wieder.



 

News

18.01.2012

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05.12.2011

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