Matterhorn Speedrekord Print E-mail

13.01.2009

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Ueli stellt neuen Speedrekord am Matterhorn auf: 1h 56Min

Am 13. Januar 2009 gönne ich mir erstmals ein ausgiebiges Frühstück inklusive meinem heissgeliebten Kaffee. Es ist bereits kurz vor 8 Uhr als ich von der Hütte los marschiere. Das Licht und die winterliche Landschaft sind einfach gewaltig. Die Sonne steigt langsam von Osten her über die mächtigen Gipfel der Walliser Alpen auf. Ich steige gemütlich zum Einstieg der Wand. Am Bergschrund setze ich mich noch einmal in den Schnee und kontrolliere meine Ausrüstung. Sitzen die Steigeisen am Schuh? Alles klar! Wieder benutze ich zwei Suunto Uhren um sicher zu sein, dass die Zeit auch stimmt. 3350 Meter über Meer. Gute 1100 Meter Kletterdistanz liegen zwischen mir und dem Gipfel. Ich starte. Alte Spuren ermöglichen mir ein schneller Einstieg. Ich finde sofort meinen Rhythmus.  Ich muss aufpassen, dass ich nicht neben der Rampe vorbei klettere. Ich überprüfe, ob ich irgendwelche Haken sehe. Ist das wirklich der Übergang zur Rampe? Es hat ein paar Schlingen und Haken, die im Fels stecken. Die Stellen sind zum Teil etwas ausgesetzt, die Eisverhältnisse top. Ich kontrolliere ständig meinen Weiterweg. Ist es immer noch machbar ohne Seilsicherung? Es ist ein laufender Prozess während des Kletterns. Auch die Kälte ist nicht schlimm. Es herrschen angenehme  minus 7 Grad. Das dünne Eis hält perfekt, aber meine Eisgeräte schlagen immer wieder auf den harten Fels. Ich befinde mich im oberen Teil der Route. Ich klettere auf der Variante von Michal Pitelka von 1983. Diese geht nicht wie die Originalroute zum Zmuttgrat, sondern in Richtung des  Hörnligrats. Überall treffe ich auf gute Standplätze. Ein Zeichen, dass viele Bergsteiger hier durchklettern. Die Route ist hier anspruchsvoll. Viel heikler, als die eigentlichen Schlüsselpassagen, die ich bereits hinter mir habe. Ich benutze das Seil nicht. Ich finde immer wieder gute Strukturen, die meinem Eisgerät im Fels Halt bieten. Diese Rinne zieht in der Höhe der so genannten Schulter auf den Hörnligrat. Die Gebrüder Schmid sind 1936 auf derselben Höhe rechts auf den Zmuttgrat ausgestiegen. Ich klettere in der Wand weiter. Es geht schnell vorwärts. Das Eis ist wieder trittfirn und ich kann noch einmal vollgas geben. Beim Heiligen Bernhard stoppe ich meine beiden Uhren. 1 Stunde, 56 Minuten und ein paar Sekunden.

Bei allen drei Speed-Begehungen habe ich das Seil nur als Möglichkeit zum Rückzug mit dabei gehabt. Die Eigernordwand habe ich etliche male angeschaut. Die anderen beiden Nordwände konnte ich ohne vorherige Erkundung klettern. Für mich ist das eine wichtige Erkenntnis: Ich weiss, dass ich mich auch in einem Gelände schnell bewegen kann, ohne die Route zu kennen. Es ist klar, dass diese Speed-Begehungen nichts Neues sind. Sie ändern auch nichts. Trotzdem sind es für mich persönlich bleibende Eindrücke, die mir niemand nehmen kann. Die Tatsache, eine Wand ohne grosse Hilfsmittel zu klettern, ermöglicht mir viel. Die Speed-Begehungen sind aber auch mit einem grossen Risiko verbunden. Es sind nicht nur das Ergebnis von Fitness, sondern auch von Taktik und Technik und zuletzt auch von Risiko. Ich habe mich im Eis zum Teil nur auf meine Steigeisen verlassen. Das mag extrem effizient und schnell sein und geht auch gut, bis einmal ein Fuss wegrutscht. Ich denke, dass mit der nötigen Konzentration und dem absoluten Fokus dies nicht passiert. Aber je öfter man das macht, je grösser ist die Möglichkeit, dass die Konzentration auch einmal nachlassen könnte.

Für mich ist klar: diese Rekord-Begehung sind ein Abschnitt in meiner Karriere als Bergsteiger. Es geht weiter und ich werde stets versuchen, neue Wege einzuschlagen.   Wenn es  geht schnell. Und wenn es nötig ist mit Seilsicherung!

13. Februar 2008 Eiger Nordwand, Route Heckmair 2 Stunden 47Minuten
28. Dezember 2008 Grandes Jorasses Nordwand, Route Macintyre 2 Stunden 21 Minuten
13. Januar 2009 Matterhorn Nordwand, Route Schmid 1 Stunde 56 Minuten