Die Rote Fluh in der schwarzen Wand... Print Email

10.99 - 06.2003

Wie alles begann ...

Es war 1998 als Daniel Anker und Stephan Siegrist sich entschlossen die Rote Fluh, einen bisher als tabu geltenden Teil in der Eigernordwand anzugehen. Die "Rote Fluh" wurde lange Zeit als nicht frei kletterbar eingeschätzt und da der Eiger nicht unbedingt den besten Ruf betreffend der Felsqualität hat, hatten auch sie Zweifel, als sie zum ersten Mal in die "Rote Fluh" für eine "Reko" einstiegen. Ein Jahr später bohrten sie die letzten Seillängen am Ende des Tschechenpfeilers ein. So entstand eine 27 Seillängentour durch den längsten und steilsten Felspfeiler der Schattenseite des Eigers. Der Wunsch alle Seillängen in einem Zug Rotpunkt zu klettern geisterte lange in Stephan Siegrist Kopf umher. Doch dieser Traum wurde infolge einer Verletzung erst einmal für 2 Jahre aufs Eis gelegt.

La vida es silbar

Dank der anhaltend guten Wetterverhältnisse dieses Sommers, konnten Stephan Siegrist und ich am 29./30. Juni 2003 "La vida es silbar" Rotpunkt durchsteigen. Der Traum hatte sich endlich erfüllt! Die Freude war umso grösser, da wir erst vor 2 ½ Monaten von einer nicht erfolgreichen Himalaya-Expedition zurückgekehrt waren.

Im Tschechenbiwak

Während der Durchsteigung mussten wir infolge von Stürzen drei Mal das Seil wieder abziehen. So brauchten wir für die ersten 16 Seillängen ganze 12 Std., bevor wir es uns am 29.06.03 abends um 21.00h im "Tschechenbiwak" bequem machen konnten.
Die Gesamtlänge der Route beträgt ca. 900 Meter. Die Kletterei beginnt auf der Höhe des Stollenloches 3.08 und verläuft direkt durch die Rote Fluh, über den Tschechenpfeiler und endet ca. 1.5 Std. unterhalb des Eigergipfels. Sie gilt als längste und anhaltend schwerste Klettertour in der Eigernordwand (27 Seillängen; Schwierigkeitsgrad 2 x 7c, 2 x 7b+, 1 x 7b, 2 x 7a+, 2 x 7a, 4 x 6c+ und der Rest 6b+ und leichter).

Die Teufelsküche

Am 30.06.03 stiegen wir bereits um 07.30h in die 17. Seillänge ein. Der Wetterdienst meldete eine Kaltfront mit starken Frontgewittern für den Nachmittag, was meinen Optimismus erst etwas dämpfte. Wer bereits einmal ein starkes Gewitter in der Nordwand des Eigers erlebt hat, der weiss, dass es da zu und her gehen kann wie in einer Teufelsküche.

Die erste Seillänge bescherte uns noch kalte Finger, was ja in der Eigernordwand eigentlich normal wäre, doch bereits in der nächsten Länge herrschten optimale Kletterverhältnisse. (War jedenfalls wärmer als in der Jannu-Nordwand...) Nach 7.5 Std. erreichten wir den Ausstieg; termingerecht vor der Kaltfront, die sich bereits mit Böen, kalter Luft und Bewölkung bemerkbar machte.
Durch zweimaliges Abseilen vom Tschechenpfeiler und anschliessendem Abstieg über die Eiger-Westflanke erreichten wir um 16.30h die kleine Scheidegg, wo wir ein weiteres mal unseren "Eigerdurst" mit Bier löschten.

Topos
 

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